Lancia Fulvia Coupé

 

Hier will ich Sie nicht mit technischen Daten oder anderen Fakten zum Fulvia Coupé langweilen. Darüber gibt es bereits genug sehr informative Internetseiten. Hier möchte ich ihnen meine ganz persönlichen Überlegungen zum Fulvia Coupé vorstellen.


Ich fange mal ganz von vorne an:

Im Herbst 1999 kaufte ich mir einen maroden Fiat X1/9 als Restaurationsobjekt. Damit fing bei mir die Oldtimer-Leidenschaft an. In den nächsten Jahren lerne ich einige Gleichgesinnte kennen und wir machten uns auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten um unsere X1/9 gemeinsam unterzustellen und daran Arbeiten zu Können.

Schließlich mieteten wir eine Scheune, die einige Vorzüge aufzuweisen hatte. Es gab eine durchgehende Deckenbeleuchtung aus Neon-Röhren, betonierten Boden und Stromanschluss mit eigenem Zähler. Die Scheune bot reichlich Platz für unsere 4 X1/9 und war auch noch günstig.

Die Scheune war so groß, dass man im Notfall etwa 9 Autos darin unterbringen konnte.

So kam es, wie es kommen musste:

Unabhängig voneinander überlegte sich jeder von uns, mit welchen zukünftigen Restaurationsobjekten wir diesen Überfluss an Stellplatz wohl belegen könnten.

Somit war reichlich Arbeit für uns alle über viele Jahre garantiert ;-)


Meine Schrauberkollegen legten dabei ein beachtliches Tempo vor, bei dem ich nicht mithalten konnte und wollte.

In den folgenden Jahren durchliefen also eine Reihe von Fahrzeugen unsere Scheune.

2 Fiesta XR2 wurden bis auf die Karosserie zerlegt. Einer sollte für Slalomrennen eingesetzt werden, der Andere diente als Teilespender. Letztendlich landeten beide auf dem Schrottplatz.

Dann folgten 2 oder 3 Fiat 124 Coupé. Wiederum wurden alle Autos bis auf das Beste ausgeschlachtet. Doch das verbleibende Fahrzeug wurde dann aus Zeitmangel verkauft.

Dann folgte eine Alfa Romeo Giulia Super Nova. Diese Restauration wurde abgeschlossen, aber das Fahrzeug kurz danach verkauft.

Nun wurden die Autos größer: Als nächstes kamen 3 Fiat 130 Coupé. Wiederum wurden 2 Fahrzeuge geschlachtet um eines aufzubauen. Ich hoffe dieses Fahrzeug bleibt uns erhalten, wenngleich die Größe schon etwas unpraktisch beim Rangieren ist.

So nebenbei und zwischendurch haben wir auch noch etwa 3 Fiat X1/9 ausgeschlachtet.


Während meine Kollegen sich also fleissig auf Großprojekte stürzten wollte ich erst mal in mich gehen, welches Auto ich mir noch zulegen wollte. Eine echt schwierige Entscheidung, schließlich sind Geld, Zeit und auch der Stellplatz begrenzt und es gibt aber doch so viele wunderbare Oldtimer.

Ich konnte mir so einiges Vorstellen: Golf GTI I, Scirocco GTI I, diverse Alfas, Lancia Beta Montecarlo, Lancia Delta Integrale, Maserati Biturbo und und und.

Als der komplette freie Stellplatz durch die vielen Restaurationsobjekte belegt war, kaufte ich mir erst mal ein Buch über alle Alfa Romeo Nachkriegs-Oldtimer.

Nach der Lektüre diese Buches sah ich wieder klar: eine Giulia 1300 GT Coupé sollte meine automobilen Träume befriedigen. Doch dann kam alles ganz anders!


Eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit musste ich an einer roten Ampel anhalten.

Direkt neben mir kam ein Fahrzeug mit heiser röchelndem Motor zu stehen. Verächtlich dachte ich an einen geschmacklos getunten VW Golf, was damals noch weit verbreitet war und blickte zur Seite. Doch was ich erblickte, war etwas völlig Anderes. Ein mir gänzlich unbekannten Fahrzeug hatte neben mir gehalten. Sogleich war mein Interesse geweckt. Es handelte sich zweifellos um einen Oldtimer; ein zierliches Coupé mit unvergleichlich filigranem Dachaufbau. Als die Ampel auf Grün umschaltete lies ich mir Zeit, um den Wagen auch von Hinten zu sehen. Überraschend flott und mit blauer Abgasfahne zog das Wägelchen davon. Es handelte sich um einen Lancia, soviel konnte ich auf dem Heckblech lesen, jedoch den verschnörkelte Modellschriftzug konnte ich nicht entziffern.

Noch am selben Abend setzte ich mich an den Computer um anhand von Bildern im Internet das unbekannte Fahrzeug zu identifizieren.

Es handelte sich um ein Lancia Fulvia Coupé - ein Wagen, der mir bis dahin völlig unbekannt war. Je mehr ich über diese Auto herausfand, desto mehr wurde klar, solch ein Auto musste ich haben.

Die zierliche und elegante Karosserie hätten eigentlich schon als Kaufanreiz genügt, doch die skurrile Kombination an altertümlicher und zugleich hochkarätiger Technik setzte das i-Tüpfelchen auf.

4-Zylinder V-Motor kombiniert mit 5-Gang-Getriebe und Frontantrieb. Blattfedern vorne und hinten. 4-Kolben-Festsattel Bremsen usw.


Meine Suche nach einem geeigneten Restaurationsobjekt führte zu interessanten Erkenntnissen: das Fulvia Coupé galt damals als echter Geheimtipp. Die Preise waren moderat da der Wagen fast unbekannt war.

Ein Alfa Romeo Giulia GT Coupé hätte mich etwa doppelt so viel gekostet somit stand mein Entschluss fest.


Durch Freunde erfuhr ich davon, dass der Fiat 500 Teilehändler Schinagl aus Nürnberg solch eine Fulvia im Garten(!) stehen hatte - zum Verkaufen.

Im November 2001 war ich dienstlich in Herzogenaurach und fuhr auf dem Rückweg nach Nürnberg um mir den Wagen anzusehen.

Tatsächlich stand er im Garten unter einem Obstbaum und sollte dort Verschwinden bevor der erste Schnee kam.


Nach einer gründlichen Untersuchung ergab sich folgendes Bild:

Innenraum und Kofferraum waren angefüllt mit Teilen.

Bis auf die Stoßstangen schienen alle Anbauteile komplett vorhanden zu sein, teilweise mehrfach. Die Karosserie wies erstaunlich wenig Rost auf.

Aber: das Dach war massiv eingedrückt und es waren weder Schlüssel noch Papiere vorhanden.

Herr Schinagl erzählte, der Vorbesitzer sei verstorben und die Erben hätten das Auto vom Schrotthändler abholen lassen. Der LKW-Fahrer hatte auf jeden Fall keinen Sinn für erhaltenswerte Oldtimer und hob den immerhin knapp 1 Tonne schweren Wagen am Dach hoch. Die filigranen Dachsäulen des Fulvia Coupé quittierten dabei ihren Dienst und verformten sich massiv, die ganze Dachhaut wölbte sich nach unten in den Innenraum.


Weil die Substanz der Karosserie aber deutlich besser aussah, als viele Andere, kaufte ich den Wagen schließlich doch für 1300DM.

Am 7 Dezember 2001 wurde die Fulvia nach Regensburg gebracht und das Abenteuer konnte beginnen...




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